Aus meinen praktischen Erfahrungen heraus, im Rahmen meiner ergotherapeutischen Arbeit, habe ich ein Rückschulungsmodell für Ergotherapeuten entwickelt, welches in 5 Phasen eingeteilt ist. Das Ziel ist, die problemlose Alltagsbewältigung des einzelnen. 



1. Analysephase:

Bei nicht klarer Händigkeit und einer eventuell unbewussten oder gar verdrängten bewussten Umschulung, sollte eine Händigkeitsdiagnostik durchgeführt werden.  Über die Möglichkeiten und Risiken wird gesprochen und die Rahmenbedingungen werden geklärt.  


 

2. Orientierungsphase:

In dieser Phase werden insbesondere die Vorstellungen und Wünsche des Betroffenen gegliedert und das Training wird gemeinsam mit dem Klienten erstellt. Hierzu bietet das 5 Phasen Modell einen klaren roten Faden, welches dem Klienten eine gute Übersicht darüber bietet, was bereits geleistet wurde und was noch bis zum flüssigen Schreiben mit der dominanten Hand erarbeitet werden sollte. Im Rahmen dessen, sollte sich der Klient zum Beispiel individuell entscheiden, welche Handlungen er in seinem Alltag wieder auf die dominante Hand zurückholen möchte. Außerdem werden dem Klienten die Grundregeln für ein erleichtertes Schreiben mit der linken Hand erklärt und Tipps und Tricks an die Hand gegeben. Aus therapeutischer Sicht ist insbesondere der Schreibprozess ein wichtiger Teil der Rückschulung, da dieser zu den höchstkomplexesten und differenziertesten koordinativen Bewegungsabläufen unsere Körpers zählt.


Eventuelle Strategien für die problemlose Alltagsbewältigungen werden den Klienten an die Hand gegeben. Hierzu zählen: Ergonomisches Arbeiten, Konzentrationsübungen, Wahrnehmungstraining, et cetera.                                                                                                      


 

3. Aktivierungsphase:

Da der umgeschulte Klient über einige Zeit gelernt hat, die nicht dominante Hirnhälfte einzusetzen, müssen nun Übungen durchgeführt werden um die dominante Hirnhälfte zu aktiveren, damit diese nicht durch den hochkomplexen Schreibprozess später überfordert wird. Koordinationsübungen können Teil dieser Phase sein. 



4. Stabilisierungsphase:

Hier werden gezielte graphomotorische Übungen durchgeführt. Diese Übungen wirken häufig für den einzelnen befreiend, entspannend und als Ausgleich für den stressigen Alltag.   


5. Automatisierungsphase

Nun automatisiert sich die Schrift. Die Schrift wird schöner und schneller. Mögliche Umschulungsfolgen, welche vorher bestanden, sollten hier bereits verschwunden sein, der Klient fühlt sich im Schreiben sicher und wohl. Auch im Alltag wie in der Schule oder bei der Arbeit wird nun problemlos mit der dominanten Hand geschrieben. Tätigkeiten, welche der Klient zurückschulen wollte, werden nun automatisch mit der dominanten Hand durchgeführt.



Bestehen weiterhin Schwierigkeiten, welche unter möglichen Umschulungsfolgen aufgeführt werden, können die Probleme auch woanders her entstanden sein und können weiterhin im Rahmen der Ergotherapie angegangen werden.